Sieben Niederlagen und nur ein Sieg: Wer nach der zweiten Saison der Brilon Lumberjacks die Zahlen betrachtet, kommt schnell zu einem ernüchternden Fazit. Lance Heron sieht das ein bisschen anders. Der Kanadier war in diesem Jahr der Headcoach der Lumberjacks. Seine Bilanz fällt differenzierter aus. Bevor er Deutschland demnächst wieder verlässt und in seine Heimat zurückkehrt, blickt er noch einmal auf die Stärken und Schwächen der American Footballer aus Brilon zurück.

Seit Mitte April ist Lance Heron – mit einer kurzen Unterbrechung – im Sauerland. Persönliche Kontakte haben das möglich gemacht. 2012 trainierte Heron die Hamm Aces. Dort lernte er einige Spieler kennen, die jetzt bei den Lumberjacks aktiv sind. Unter anderem Axel Hoepfner. Der hat Mitte März in Portugal an einem mehrtägigen Football-Camp teilgenommen, das von Spielern der amerikanischen Profiliga NFL begleitet wurde. Organisiert wurde dieses Camp von Lance Heron. Axel Hoepfner nutzte die Gelegenheit, seinen alten Bekannten zu fragen, ob er Zeit habe, die Brilon Lumberjacks zu unterstützen. Der Kanadier übernahm die Leitung des Trainings und stand bei den Landesliga-Spielen an der Seitenlinie.

„Die Lumberjacks haben sich im Vergleich zum Saisonbeginn in vielen Bereichen verbessert“, stellt Heron fest. Einige Beispiele: Die Defense gibt ihren Gegnern weniger Raum. Die Receiver (die Passempfänger der Offense) sind beweglicher. Die Spieler kennen ihre Laufrouten besser und setzen sie im Spiel genauer um. Dass all dies jetzt funktioniert, bewiesen die Briloner beim Heimsieg Ende September gegen die Iserlohn Titans – sehr zur Freude ihrer Fans. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Lumberjacks ein noch junges Team sind. Wir sind immer noch dabei, einige Basics zu lernen“, betont Heron, dem das Konzept der Lumberjacks gefällt. „Andere Teams, auch aus der Landesliga, holen sich Spieler aus den USA, die dort fast Profiniveau haben. In Brilon dagegen werden junge Talente aus der Region gefördert. Darum muss es doch gehen. Wenn man sich zu sehr auf die US-Spieler verlässt, sind die lokalen Spieler nicht motiviert, sich weiterzuentwickeln.“

Begeistert ist Lance Heron vom Zuspruch der Zuschauer. Jeweils rund 300 kamen zu den Heimspielen ins Sportzentrum an der Jakobuslinde. „Das ist unglaublich angesichts der Tatsache, dass es American Football in der Region vorher nicht gab.“ Manche Fans reisten sogar zu den Auswärtsspielen an den Niederrhein – und nahmen dafür nach Bocholt (im April) und Kleve (im Oktober) Wege von bis zu 260 Kilometer pro Strecke in Kauf. Der Football-Boom ist in Deutschland und im Sauerland angekommen. „Für mich steht Deutschland inzwischen ganz klar auf Platz 3 der footballbegeisterten Länder, gleich hinter den USA und Kanada“, stellt Lance Heron fest.

Nach dem letzten Saisonspiel Anfang des Monats haben die Lumberjacks nun bis Ende Oktober trainingsfrei. Im November beginnt das Hallentraining. „Dort gibt es weniger Platz als draußen auf dem Spielfeld. Deshalb liegt der Fokus auf der Technik und der allgemeinen Fitness“, erläutert Heron. Zudem können neue Spielzüge ausprobiert und eingeübt werden. „Speziell für die Quarterbacks der Lumberjacks muss es im Winter darum gehen, die Bälle präziser zu werfen.“ Mehrere von der gegnerischen Verteidigung abgefangene Pässe – sogenannte Interceptions – seien dafür Beweis genug.

Nach einer Saison ist die Arbeit in Brilon für Lance Heron demnächst beendet. Schon im Februar kommenden Jahres wird er nach Deutschland zurückkehren. Denn sein nächstes Football-Camp wird er in Oberhausen veranstalten: am 23. und 24. Februar 2019 in der König-Pilsener-Arena. Wie schon im März dieses Jahres in Portugal werden wieder Spieler aus der US-Profiliga NFL dabei sein – und sicherlich auch der eine oder andere Lumberjack aus Brilon.